Daniela Fünfstück, Sportclub Hoyerswerda

Daniela Fünfstück, Sportclub Hoyerswerda

Der Schreibtisch von Daniela Fünfstück in der VBH-Arena ist voll, aber nicht unaufgeräumt. An den Bürowänden hängt eine riesige Pinnwand, Urkunden und auch eine Sportjacke mit dem Aufdruck „BSG Aktivist“. Sie erinnert an den Gründungsnamen des Vereins, für den die 48-Jährige seit Anfang des Jahres mit ganzer Kraft arbeitet – den Sportclub Hoyerswerda.

Das neue Jahr ist für Daniela Fünfstück aus zweierlei Sicht ein Besonderes: Bis Ende des alten Jahres hatte sie für je 20 Stunden zwei Geschäftsführerposten inne. Dem beim Sportbund Lausitzer Seenland – Hoyerswerda und ihren beim SC. Nun konzentriert sie sich auf den SC, der seine Geschäftsstelle in der ehemaligen Jahnsporthalle hat. Einfach sei ihr der Schritt nicht gefallen, sagt sie. Notwendig war er. „Es hat die Zeit gefehlt. Man war immer für zwei Dinge präsent.“ Es gibt nicht wenige Leute, die Sportbund und Sportclub durcheinanderbringen. Auf der einen Seite der Dachverband von fast 50 Vereinen vor allem aus Hoyerswerda mit rund 7 300 Sportlern und andererseits der Sportclub, ein Mehrspartenverein mit etwa 2 000 Mitgliedern.

Seit 1991 war Daniela Fünfstück beim Sportbund, seit 2010 Geschäftsführerin. Im Zuge der Suche nach einer neuen Assistentin für die Geschäftsführung wurde genauer überlegt, wie Aufgaben geordnet werden können. Die alleinige Vollzeit-Stelle war das Ergebnis. An Arbeit mangelt es jetzt zu Jahresbeginn überhaupt nicht. Mal klingelt das Telefon, danach ein Auftrag für den Sportwart der Halle, zwischendurch ein Stapel Unterschriften. Es läuft die sogenannte Bestandserhebung für Fachverbände. Wie viele Mitglieder hat jede Abteilung, wie viele Übungsleiter hat der Verein? Auch davon hängt die Höhe der Zuschüsse ab. In diesen Tagen ist der Jahresabschluss zu machen, demnächst werden die Mitgliedsbeiträge abgebucht.

Start mit 100 Mitgliedern

Von ihrem Bürostuhl aus blickt die Geschäftsführerin auf das Regal mit schwarzen Leitz-Ordnern. Jede Abteilung hat einen eigenen. Als im Januar 1956 der Verein als „BSG Aktivist“ gegründet wurde, hatte er 100 Mitglieder und mit Boxen, Leichtathletik und Fußball drei Sektionen. Zum 30. Jahrestag betrug die Mitgliederzahl 2 775. Mit der politischen Wende änderte sich viel, Abteilungen gründeten sich aus, aus der BSG wurde die SG, später der SC.

Ein Teil der rund 2 000 Mitglieder hat leistungssportliche Ambitionen. Die Sportakrobaten zählen dazu, die Handballerinnen haben sich von der Verbandsliga in die vierthöchste deutsche Spielklasse gearbeitet. Andere lassen es ruhiger angehen. Daniela Fünfstück freut sich, dass die Judoka wieder den Einstieg in den Wettkampfbetrieb anstreben. Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre ist der Gesundheits- und Rehasport. Hier ist Steigerungspotenzial vorhanden, aber der Platz ist knapp. Die schon länger diskutierte Idee einer Erweiterung der VBH-Arena mit einem Anbau in Richtung Ärztehaus würde Platz für funktionale Kursräume schaffen. „Wir brauchen keinen Palast“, sagt die Geschäftsführerin. Aber auch in der Frage passt ein Motivationsspruch, der auf einem Wandbild im Büro hängt: „Im Leben gewinnen nicht die Schnellsten, sondern die Ausdauernden.“

Auf dem Schreibtisch, der auch Besprechungstisch ist, liegt der Jahreskalender 2016 im Format A 0. Der 2015er hängt noch an der Pinnwand. Zum Wechsel fehlte die Zeit. Ein wichtiger Termin ist das Frühjahrsseminar des Freiburger Kreises, ein freiwilliger Zusammenschluss großer deutscher Sportvereine, die wie der SC auch, Sportanlagen betreiben. Der Kreis gibt Unterstützung bei fachlichen und organisatorischen Fragen. Die Idee, ihn nach Hoyerswerda zu holen, hatte Daniela Fünftstück schon 2008. Nun zum 60-jährigen Bestehen ist es im April soweit. Man will den etwas mehr als 100 Gästen dann auch zeigen, wie eine sportliche Stadt den demografischen Wandel bewältigt und was das Lausitzer Seenland für Perspektiven bietet. Innerhalb des Seminars vom 21. bis 23. April findet auch die Festveranstaltung zum 60-jährigen SC-Bestehen statt.

Nächste Woche gibt es Sekt

Einen anderen Termin muss sich Daniela Fünfstück auch nicht aufschreiben. Es ist der 15. Januar – der Gründungstag des Vereins. Vor zehn Jahren wurde das 50. genau an diesem Tag in der Vereinssporthalle gefeiert. Diesmal wird zumindest mit Sekt angestoßen. So viel Zeit muss sein. Und nun ist ja auch mehr möglich mit der Vollzeitstelle. „Ich kann und will mir mehr Zeit für Gespräche mit den Abteilungen nehmen“, sagt die Geschäftsführerin. Ein ganz einfaches Mittel gegen Stressabbau hat Daniela Fünfstück in der Vergangenheit erfolgreich erprobt: Beim Babytreff des SC setzt sie sich an den Rand und freut sich über die ersten Schritte künftiger Sportler.

 

Foto/Text: Hagen Linke